
Sankt Albertus Magnus Paris
Katholische Gemeinde deutscher Sprache
So finden Sie uns:
38, rue Spontini
75116 Paris
M° Porte Dauphine
Seien Sie herzlich willkommen…

…in unserer deutschsprachigen katholischen Kirchengemeinde Sankt Albertus Magnus in Paris! Wir freuen uns, wenn Sie sich für uns interessieren und uns wenn möglich in echt besuchen!
Unsere Gemeinde ist ein besonderer Ort in Paris! Er bietet ihnen eine sprachliche und religiöse Heimat in einem angenehmen und dynamischen Rahmen.
Hier treffen sich Deutsche und Franzosen, Österreicher und Norddeutsche, Schweizer und Schwaben und feiern zusammen Gottesdienst oder unternehmen etwas gemeinsam. Wir heißen Sie sowohl in unserer Gemeinde, als auch auf unserer Homepage willkommen! (mehr…)
Unsere Gottesdienste
In deutscher Sprache:
Sonntags um 11 Uhr
In französischer Sprache :
Samstags um 18:30 Uhr
Angedacht
Meinungsfreiheit Protest Gewalt
Wer in Paris lebt, erlebt täglich die Gegensätze dieser Stadt: den Glanz der Boulevards und die Sorgen der Menschen, die kaum noch wissen, wie sie mit steigenden Lebenshaltungskosten zurechtkommen sollen. Die Proteste, an denen sich Schülerinnen und Schüler, Studierende, Gewerkschaften, Parteien und erneut manche Gelbwesten beteiligen, zeigen uns, wie tief die Unzufriedenheit in Teilen der französischen Gesellschaft sitzt.
Auf der anderen Seite steht ein Staat, der sich möglicherweise zu sehr an den Gesetzen des Marktes orientiert, die nicht zum erhofften Ziel führten. Ein Staat ist kein Unternehmen, dessen Erfolg sich nur an Zahlen und Effizienz messen lässt. Er muss sich auch daran messen lassen, ob die unterschiedlichsten Menschen unter seinem Dach friedlich und gerecht miteinander leben und sich gemäß ihren Fähigkeiten entfalten können.
So berechtigt die Anliegen jener Bürger sein mögen, die sich auf der Verliererseite fühlen, darf ihr Protest selbstverständlich nicht in Gewalt umschlagen. Wenn Geschäfte geplündert, Autos und Schulen angezündet und Straßen verwüstet werden, trifft es nicht nur die Mächtigen. Oft sind es kleine Händler und Familienbetriebe, die den Schaden tragen. Wer die Scheiben eines kleinen Geschäfts einschlägt, um gegen das System zu protestieren, schadet gerade jenen, deren Interessen er zu vertreten vorgibt. Das hat nichts mit Solidarität zu tun. Es zerstört Vertrauen und macht es schwerer, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Wie kann es zu solchen Gewalttaten kommen? Neben vielen Antwortversuchen möchte ich einen besonders hervorheben: Wer Demütigung, Ausgrenzung oder selbst Gewalt erfahren hat, kann versucht sein, die eigene Ohnmacht dadurch zu überwinden, indem er selbst Macht ausübt. Am besten sogar gegen die Polizei und die dahinterstehende Staatsgewalt. Wo Normen und Regeln in der eigenen bisherigen Erfahrung nur als äußerer Zwang erfahren wurden, nicht aber als etwas, dessen Sinn man verstanden und verinnerlicht hat, können sie in einem Augenblick scheinbar aufgehobener Ordnung ihre Wirkung verlieren. Plötzlich scheint alles erlaubt.
Sind es vor allem die jungen Männer aus den Vororten von Paris mit Migrationshintergrund? Gibt es möglicherweise bis heute einen Zusammenhang mit einer vielleicht zu wenig aufgearbeiteten französischen Kolonialgeschichte mit ihren Folgen und entsprechenden Emotionen gegen die starke Nation?
Darüber hinaus können es persönliche ungünstige Familiengeschichten sein, eigene Erfahrungen von Gewalt, Ausgrenzung und Nichtteilhabe an der Gesellschaft, die Nährboden von Gewalt sein können. Oder ist es eine unverständliche vielleicht fast krankhafte Lust, sich beim Zerstören von etwas zu erleben und dabei stark fühlen zu können. (Erlebnisgewalt)
Auch die Konsumwelt, die uns gerade im Pariser Zentrum so eindrücklich begegnet, gehört zu diesem Bild. Zwischen luxuriösen Schaufenstern und Menschen, die jeden Euro umdrehen müssen, wird soziale Ungleichheit sichtbar. Für manche mögen die Waren hinter den Glasfronten zum Symbol eines Wohlstands werden, von dem sie sich ausgeschlossen fühlen. Wenn die Scheiben zerbrechen, scheint plötzlich greifbar, was sonst unerreichbar bleibt.
Ebenso kann die Versuchung zu übertriebener Gegengewalt beunruhigen, die aus eigener Wut entstehen kann. Wer die Verwüstungen erlebt, wünscht sich zu Recht ein entschiedenes Eingreifen des Staates, denn ein Rechtsstaat muss Menschen schützen und Straftaten verfolgen. Aber wenn aus berechtigter Empörung und Widerstand gegen die Gewalt, der Ruf nach unmäßiger Vergeltung wird, droht eine Spirale, aus der niemand unbeschadet herauskommt. Ordnung ist selbstverständlich notwendig; sie allein heilt jedoch noch keine gesellschaftlichen Wunden.
In Schranken gewiesene Protestierende verweisen häufig auf ihr Recht auf freie Meinungsäußerung. Wir betonen mit Recht, dass jeder Mensch seine Meinung frei äußern können muss. Weniger selbstverständlich scheint manchmal die zweite Seite dieser Freiheit: die Bereitschaft, zuzuhören. Zur Freiheit der Meinungsäußerung gehört auch, demjenigen das Wort zu lassen, der anders denkt, widerspricht oder unbequeme Fragen stellt. Eine demokratische Gesellschaft lebt nicht davon, dass alle dieselbe Meinung haben, sondern davon, dass unterschiedliche Meinungen miteinander ins Gespräch kommen können. Wer nur selbst gehört werden will, aber dem anderen das Wort abschneidet, verfehlt einen wesentlichen Teil dieser Freiheit.
Auch als Christ frage ich mich, was wir als Kirche zu dieser Situation beitragen können. Die katholische Soziallehre erinnert uns daran, dass die Würde eines Menschen nicht von seinem Einkommen, seiner Herkunft oder seinem gesellschaftlichen Ansehen abhängt. Die sich daraus ergebende Solidarität bedeutet u.a., auch die Benachteiligten nicht zu übersehen. Dazu gehört auch ein gewaltbereiter Mensch, dessen Not und dessen Würde nach Anerkennung schreit.
Ich wünsche mir deshalb eine Politik, die soziale Ungerechtigkeit ernst nimmt, Verantwortung für Fehlentwicklungen übernimmt und Räume schafft, in denen Menschen wirklich gehört werden, auch die der anderen Parteien. Zugleich wünsche ich mir die Bereitschaft jedes Einzelnen, sich mit der eigenen Geschichte und den eigenen Kränkungen und Verletzungen auseinanderzusetzen. Dabei können Familien, Schulen, Vereine und Religionsgemeinschaften helfen, Konflikte ohne Gewalt auszutragen und Regeln und Normen nicht nur aus Angst, sondern aus Überzeugung anzuerkennen. Gerade als Christen könnten sogar wir selbst Orte der Begegnung sein, an denen Menschen einander zuhören, selbst wenn sie aus unterschiedlichsten Lebenswelten kommen.
Vielleicht steht Frankreich an einer Weggabelung. Protest kann in Zerstörung münden. Er kann aber auch der Anfang einer notwendigen gesellschaftlichen Auseinandersetzung sein. Dazu braucht es Politiker, die Missstände nicht kleinreden, und Bürger, die ihre berechtigte Wut nicht an Unbeteiligten auslassen, sondern in konstruktive Kritik umwandeln.
Auch unser christlicher Glaube hält gerade hier eine wichtige Botschaft bereit: Veränderung und gute Zukunft ist möglich, wenn wir einander nicht auf unsere Fehler, unsere Herkunft oder unsere Verletzungen reduzieren. Frankreich kann mehr Gerechtigkeit, aber auch mehr Verantwortung füreinander. Es braucht eine Freiheit, die nicht auf Kosten anderer gelebt wird, und einen Protest, der nicht zerstört, sondern Zukunft eröffnet!
Darum ringt ihr Pfarrer Markus Hirlinger